Präqualifikation
auch: Präqualifizierung · PQ · Amtliches Verzeichnis
Präqualifikation ist die auftragsunabhängige, vorgelagerte Prüfung der Eignung eines Unternehmens durch eine dafür zugelassene Stelle. Das Unternehmen legt die Eignungsnachweise einmal zentral vor und wird nach erfolgreicher Prüfung in ein Verzeichnis eingetragen; in einzelnen Vergabeverfahren genügt dann der Verweis auf diese Eintragung anstelle der erneuten Vorlage aller Einzelnachweise. In Deutschland bestehen getrennte Systeme für Bauleistungen und für Liefer- und Dienstleistungen; die Eintragung ist freiwillig und muss regelmäßig erneuert werden.
7.529 offene deutsche Verfahren betreffen Bauarbeiten — das ist der Bereich, für den das Präqualifikationsverzeichnis Bau geführt wird.
Was das für Bieter bedeutet
Der Nutzen liegt weniger im Rechtlichen als im Zeitlichen. Rechtlich begründet die Eintragung eine Vermutung der Eignung, die der Auftraggeber grundsätzlich anerkennen muss — er darf ergänzende Nachweise verlangen, aber die eingetragenen Angaben nicht ohne Anlass in Zweifel ziehen. Praktisch entfällt bei jedem Angebot das Zusammensuchen von Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Registerauszügen und Versicherungsnachweisen. Bei einem Unternehmen, das oft und kurzfristig bietet, ist das der Unterschied zwischen „wir schaffen die Abgabe“ und „wir lassen es diesmal“.
Die Grenzen sollte man kennen. Die Präqualifikation ersetzt keine auftragsspezifischen Referenzen und keine geforderten Managementsystem-Zertifikate. Sie ist national: Ein deutscher Eintrag entfaltet in einem anderen Mitgliedstaat keine unmittelbare Wirkung — dort tritt oberhalb der Schwellenwerte die Einheitliche Europäische Eigenerklärung an ihre Stelle. Und sie kostet laufend Gebühren und Pflegeaufwand, was sich erst ab einer gewissen Zahl von Verfahren im Jahr rechnet.
Verwandte Begriffe
DEFINITION · Rechtsbeschreibung mit Fundstelle, keine Rechtsberatung · ZAHL · aus den nächtlich gebauten Aggregaten des eigenen Bestands · alle Begriffe: friedrich-clement.com/glossar