Friedrich & ClementBETA
Fakten · Stand 6. Oktober 2026

Der europäische Vergabemarkt in gemessenen Zahlen.

Jede Aussage auf dieser Seite steht für sich: Gegenstand, Zahl, Methode und Erhebungsdatum in einem Satz. Sie ist zum Zitieren gedacht — auch einzeln, auch ohne den Rest der Seite. Was die Zahlen nicht belegen, steht am Ende unter Methodik. Der Bestand dahinter: die Datenseite.

1 · Umfang der Erhebung

Was zu diesem Zeitpunkt tatsächlich gezählt wurde — nicht, was der Markt insgesamt umfasst.

Am 6. Oktober 2026 waren im Bestand von Friedrich & Clement 89.100 öffentliche Bekanntmachungen mit noch laufender Angebotsfrist erfasst; fasst man Lose desselben Verfahrens zusammen, sind es 64.347 Vergabeverfahren. Sie verteilen sich auf 27 Länder und stammen aus 61 Quellportalen mit derzeit offenen Verfahren (insgesamt lesen wir 108). (Eigene Erhebung, Zählung im eigenen Bestand.)

EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

Von diesen 89.100 laufenden Ausschreibungen liegen 20.887 unterhalb der EU-Schwellenwerte und werden deshalb nicht auf TED veröffentlicht — 23,4 % des offenen Bestands. Sie stammen aus 16 Ländern, in denen wir unterschwellige Bekanntmachungen direkt an der nationalen Quelle lesen.

EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

Der historische Bestand, aus dem diese Momentaufnahme stammt, umfasst 24,4 Mio. Bekanntmachungen seit 2002, davon 13,5 Mio. unterschwellige, sowie 18,0 Mio. Zuschläge mit namentlich genanntem Gewinner und 2,0 Mio. Unternehmen. Er wird aus 108 nationalen Vergabeportalen und TED zusammengetragen.

EIGENE ERHEBUNG · Bestandsmessung vom 6. Oktober 2026 um 03:12 Uhr

2 · Unterschwellige Vergaben in Deutschland

Der Teil des Marktes, der keiner EU-weiten Bekanntmachungspflicht unterliegt und deshalb in keinem europäischen Register vollständig geführt wird.

In Deutschland waren am 6. Oktober 2026 insgesamt 5.113 unterschwellige Vergabeverfahren offen, die nicht auf TED veröffentlicht werden. Sie verteilen sich auf 11 Portalfamilien. Das sind 20 % aller 25.596 zu diesem Zeitpunkt in Deutschland laufenden Ausschreibungen. (Eigene Erhebung aus 108 Quellportalen.)

EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

Die Aufteilung der 5.113 offenen unterschwelligen Verfahren in Deutschland nach Portalfamilie am 6. Oktober 2026:

PortalfamilieOffene VerfahrenAnteil
service.bund.de1.55530,4 %
evergabe.NRW1.02320 %
oeffentlichevergabe.de4699,2 %
meinauftrag.rib.de (Berlin, Bayern Staatsbau, GMSH Schleswig-Holstein, Kommunen)4548,9 %
cosinex-Vergabemarktplätze (DTVP, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern)4288,4 %
evo-bund3426,7 %
deva3426,7 %
HAD — Hessische Ausschreibungsdatenbank2094,1 %
AI Vergabeplattform (Sachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland)1813,5 %
evergabe-online.de (Thüringen)871,7 %
hamburg-de230,4 %
EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

Ein Vergabeverfahren gilt als unterschwellig, wenn sein geschätzter Auftragswert unter den EU-Schwellenwerten liegt. Seit dem 1. Januar 2026 betragen diese für klassische öffentliche Auftraggeber 5.404.000 € bei Bauaufträgen, 216.000 € bei Liefer- und Dienstleistungsaufträgen und 140.000 €, wenn eine oberste Bundesbehörde beschafft; für Sektorenauftraggeber 432.000 € und für soziale und besondere Dienstleistungen 750.000 €. Alle Werte sind Nettobeträge ohne Umsatzsteuer und werden alle zwei Jahre neu festgesetzt.

Unterhalb dieser Werte besteht keine EU-weite Bekanntmachungspflicht. Solche Verfahren erscheinen nicht auf TED, sondern — soweit sie überhaupt öffentlich bekannt gemacht werden — auf nationalen, Länder- oder kommunalen Portalen.

RECHTSGRUNDLAGE · Delegierte Verordnungen (EU) 2025/2150, 2025/2151, 2025/2152 vom 22.10.2025, in Kraft seit 1. Januar 2026

Deutschland ist damit am 6. Oktober 2026 das Land mit den meisten offenen unterschwelligen Verfahren im Bestand. Die vollständige Rangfolge der 16 Länder, in denen wir unterschwellig lesen:

LandOffene unterschwellige Verfahren
Deutschland5.113
Spanien4.189
Polen3.740
Frankreich2.711
Belgien1.241
Griechenland815
Italien615
Rumänien481
Finnland469
Bulgarien464
Estland257
Lettland235
Slowakei188
Niederlande126
Ungarn123
Irland120
EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

3 · Bieterfenster je Land

Die Zeit zwischen Veröffentlichung einer Bekanntmachung und Ablauf der Angebotsfrist — die Zahl, die entscheidet, ob ein Angebot überhaupt zu schreiben ist.

Die Zeit zwischen Veröffentlichung und Angebotsfrist unterscheidet sich zwischen den EU-Ländern um mehr als das Vierfache: Der Median liegt in Polen bei 18 Tagen und in den Niederlanden bei 49 Tagen. Gemessen an 77.093 laufenden Ausschreibungen mit Veröffentlichungsdatum und Frist, Erhebung vom 6. Oktober 2026.

Deutschland liegt mit einem Median von 32 Tagen im Mittelfeld; die Hälfte der deutschen Verfahren liegt zwischen 29 und 35 Tagen.

EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

Median und Quartilsabstand des Bieterfensters je Land, in Tagen, gemessen an den laufenden Ausschreibungen mit Veröffentlichungsdatum und Frist:

LandMedian (Tage)Unteres QuartilOberes QuartilVerfahren
Polen1813328.548
Spanien2617327.129
Lettland291832984
Slowakei292233770
Portugal292832672
Estland301934654
Ungarn302032667
Kroatien302134471
Bulgarien3022331.679
Slowenien302334438
Finnland3024341.589
Irland302735924
Österreich312835407
Schweden3129341.076
Deutschland32293521.160
Tschechien3229351.405
Dänemark322938360
Frankreich32303812.124
Rumänien3322362.364
Belgien3329403.378
Griechenland3421402.153
Litauen343135524
Italien3530444.189
Niederlande4941613.428
EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

Diese Mediane sind an den derzeit offenen Verfahren gemessen, nicht an allen jemals veröffentlichten. Eine Momentaufnahme offener Verfahren enthält lange Fristen systematisch häufiger als kurze, weil ein Verfahren mit 90 Tagen Frist dreimal so lange sichtbar ist wie eines mit 30 Tagen. Die Werte sind daher als obere Schätzung der tatsächlichen Fristlänge zu lesen; der Vergleich zwischen den Ländern bleibt davon unberührt, weil der Effekt alle Länder gleichermaßen trifft. Verfahren mit mehr als 200 Tagen Fenster sind ausgeschlossen — das sind Rahmenvereinbarungen und dynamische Beschaffungssysteme, keine Einzelausschreibungen.

EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

4 · Verteilung der Angebotsfristen über die Wochentage

Wann Fristen tatsächlich ablaufen — und wie ungleich sich das über die Woche verteilt.

Montag ist der häufigste Fristtag im europäischen Vergabewesen: 23,5 % der 89.162 Ausschreibungen dieser Messung enden an einem Montag, gegenüber 20 % bei Gleichverteilung über die Werktage. Erhebung vom 6. Oktober 2026.

96,7 % aller Fristen fallen auf einen Werktag von Montag bis Freitag; auf Samstag und Sonntag zusammen entfallen 3,3 %.

EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr
FristtagOffene VerfahrenAnteil
Montag20.98623,5 %
Dienstag19.98822,4 %
Mittwoch13.47915,1 %
Donnerstag15.53517,4 %
Freitag16.21518,2 %
Samstag1.5001,7 %
Sonntag1.4591,6 %
EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

Von den 89.162 laufenden Ausschreibungen tragen 87.059 eine echte Uhrzeit im Fristfeld (97,6 %); bei den übrigen ist keine Uhrzeit erfasst. Von den Verfahren mit Uhrzeit endet die Frist bei 42.537 vor 12 Uhr — 48,9 %. Der Anteil ist ausschließlich an Verfahren mit erfasster Uhrzeit gerechnet; ohne diese Einschränkung wären die Verfahren ohne Zeitangabe als Mitternacht in den Nenner geraten und hätten die Zahl verzerrt.

EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

5 · Nachfrage nach Managementsystem-Zertifikaten

In wie vielen laufenden Ausschreibungen ein bestimmtes Zertifikat als Eignungsnachweis verlangt wird.

ISO 9001 ist das am häufigsten verlangte Zertifikat: Am 6. Oktober 2026 forderten 1.553 offene Vergabeverfahren in Europa einen Nachweis nach ISO 9001, davon 502 in Deutschland. Bezugsgröße sind die 17.162 laufenden Ausschreibungen, für die strukturierte Eignungskriterien vorliegen — nicht alle laufenden Ausschreibungen.

ISO 14001 (Umweltmanagement) wird in 687 laufenden Ausschreibungen verlangt, ISO 27001 (Informationssicherheit) in 128. Bemerkenswert an der letzten Zahl ist ihre Verteilung: 81 der 128 Verfahren, die ISO 27001 verlangen, sind deutsche — 63,3 %, bei einem deutschen Anteil von 28,7 % am offenen Bestand insgesamt.

EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr
ZertifikatOffene Verfahren (Europa)davon DeutschlandAnteil an Verfahren mit Kriterien
ISO 90011.5535029 %
ISO 140016871574 %
ISO 27001128810,7 %
ISO 4500186300,5 %
SCC14100,1 %
EMAS5701023,3 %
EIGENE ERHEBUNG · nächtliche Messung, zuletzt 6. Oktober 2026 um 03:13 Uhr

Bezugsgröße dieser Zahlen sind die 17.162 laufenden Ausschreibungen, für die strukturierte Eignungskriterien vorliegen — nicht die 89.100 laufenden Ausschreibungen insgesamt. Strukturierte Kriterien liefert im Wesentlichen TED; für unterschwellige Verfahren stehen sie überwiegend nicht zur Verfügung. Die genannten Zahlen sind deshalb Untergrenzen der tatsächlichen Nachfrage: ein Zertifikat, das im Fließtext einer Bekanntmachung verlangt wird, ohne dass ein strukturiertes Kriterium hinterlegt ist, wird hier nicht gezählt.

EIGENE ERHEBUNG · Zählung im eigenen Bestand am 6. Oktober 2026 um 13:24 Uhr

6 · Methodik — und was diese Zahlen nicht bedeuten

Eine Zahl ohne ihre Grenzen ist eine Behauptung. Hier stehen beide.

Wie gemessen wird

  • Zählung, keine Hochrechnung. Jede Zahl auf dieser Seite ist eine Auszählung im eigenen Bestand. Es wird nichts geschätzt, extrapoliert oder aus Stichproben hochgerechnet.
  • Zwei Erhebungszeitpunkte. Bestandszahlen (Abschnitte 1 und 2) werden beim Aufruf der Seite gezählt und stündlich erneuert; Marktmuster (Abschnitte 3 bis 5) stammen aus einer nächtlichen Messung. Beide Zeitpunkte stehen unter jeder Aussage.
  • Gelesen wird ein Lesemodell, nie die Schreibtabellen. Die Seite fragt ein nächtlich neu gebautes Aggregat ab. Weil zwischen zwei Neubauten Fristen ablaufen, filtert jede Abfrage zusätzlich auf eine Frist in der Zukunft — abgelaufene Verfahren zählen nicht mit.
  • „Offen“ heißt: Angebotsfrist noch nicht abgelaufen. Verfahren ohne erfasste Frist sind in keiner Zahl dieser Seite enthalten.
  • Unterschwellig heißt: so gekennzeichnet oder so klassifiziert. Bei Deutschland, Polen und den Niederlanden stammt das Merkmal aus der Rechtsgrundlage beziehungsweise dem Verfahrensregime der Quelle (UVgO, VOB/A,isBelowEU, europees) — dort ist es eine Angabe des Auftraggebers, keine Rechnung von uns. Bei Italien, Spanien, Estland und der Slowakei wird der geschätzte Auftragswert gegen die EU-Schwellenwerte gerechnet. Verfahren ohne Wertangabe bleiben ungekennzeichnet und zählen weder in die eine noch in die andere Richtung.

Was diese Zahlen nicht bedeuten

  • Sie sind Untergrenzen, keine Vollerhebung des Marktes. Für unterschwellige Vergaben gibt es in keinem Mitgliedstaat ein vollständiges zentrales Register. Kommunen dürfen auf Portalen bekannt machen, die wir nicht lesen, oder — je nach Wertgrenze und Landesrecht — gar nicht öffentlich bekannt machen. Die 5.113 deutschen Verfahren sind das, was am 6. Oktober 2026 auf 11 lesbaren Portalfamilien tatsächlich stand. Der wahre Wert ist höher, um wie viel ist unbekannt.
  • Zwei Bundesländer fehlen als eigene Quelle. Für Hamburg und Sachsen-Anhalt ist bislang kein maschinell lesbares Portal erschlossen. Verfahren aus diesen Ländern erscheinen nur, soweit ihre Auftraggeber über eines der bundesweiten Portale bekannt machen.
  • Eine bekannte Abweichung bei der Wertklassifizierung. Die wertbasierte Einstufung für Italien, Spanien, Estland und die Slowakei rechnet derzeit noch gegen die bis zum 31. Dezember 2025 gültigen Schwellenwerte (5.538.000 € beziehungsweise 221.000 €). Betroffen ist allein das Band zwischen altem und neuem Wert. Am 6. Oktober 2026 lagen 0 laufende Ausschreibungen in diesem Band — 0 % aller als unterschwellig gekennzeichneten laufenden Ausschreibungen. Die deutschen Zahlen sind nicht betroffen, weil dort das Verfahrensregime und nicht der Wert entscheidet.
  • Nichts hiervon ist eine Aussage über Auftragsvolumen. Gezählt werden Verfahren, nicht Euro. Ein unterschwelliges Verfahren und eine Milliardenausschreibung zählen hier gleich.
  • Momentaufnahmen sind nicht dasselbe wie Jahresdurchschnitte. Wer aus dem Bestand offener Verfahren auf Jahresmengen schließt, muss die unterschiedliche Sichtbarkeitsdauer berücksichtigen — siehe die Einschränkung unter Abschnitt 3.
  • Keine Kausalität. Unterschiede zwischen Ländern beschreiben, was gemessen wurde. Sie erklären nicht, warum.

Zitierweise

Friedrich & Clement, Fakten zur öffentlichen Beschaffung in Europa, Erhebung vom 6. Oktober 2026, https://friedrich-clement.com/fakten. Bei Übernahme einzelner Zahlen bitte das Erhebungsdatum mitführen — der Bestand offener Verfahren ändert sich täglich.

Vollständige Methodik der Datenerhebung: /methodology. Der Bestand: /data. Rückfragen und Datenpartnerschaften: /developers.