Friedrich & ClementBETA
Für Redaktionen

Befunde aus 21 Millionen Vergabe­bekanntmachungen

Jede Zahl auf dieser Seite ist gemessen, nicht geschätzt, und nennt ihre Grundgesamtheit und ihre Fallzahl. Alles ist frei zitierbar. Die Rohtabellen gibt es als CSV. Stand der Auswertung: 10.9.2026.

Deutschland · alle Branchen
Befund 1 · Wettbewerb

Frage: Wo in Europa wird am seltensten um öffentliche Aufträge konkurriert?

Einfach erklärt

Wenn eine Stadt etwas kaufen will — ein Feuerwehrauto, eine neue Schule — muss sie das laut sagen, damit sich Firmen melden können. Das ist wie ein Wettrennen: Wer das beste Angebot macht, gewinnt.

Manchmal steht aber nur EIN Läufer an der Startlinie. Dann gewinnt er automatisch. Dieser Balken zeigt, wie oft das passiert.

In Griechenland ist fast jedes zweite Rennen ein Rennen mit nur einem Läufer. In Deutschland jedes fünfte. Der goldene Balken ist Deutschland.

Aber Vorsicht: Nur ein Läufer heißt nicht, dass jemand geschummelt hat. Manchmal gibt es einfach nur eine Firma, die so ein Feuerwehrauto bauen kann.

20,5 %

der deutschen EU-weiten Zuschläge gingen an den einzigen Bieter, der ein Angebot abgegeben hatte — 47.783 von 233.330 Verfahren.

Im Ländervergleich ist das wenig. Auf demselben EU-Formular gemessen:

GR49,1 %
PT45,0 %
CY44,1 %
SI43,4 %
CZ43,1 %
PL42,1 %
BG41,4 %
HR38,0 %
ES35,6 %
LT34,9 %
AT32,3 %
HU32,1 %

Grundgesamtheit: TED-Zuschlagsbekanntmachungen mit gemeldeter Angebotszahl, alle Verfahrensarten. Länder ab n = 200.

Befund 2 · Wie viele bieten überhaupt

Frage: Wie viele Angebote bekommt ein Auftraggeber typischerweise — und wo die meisten?

Einfach erklärt

Bei jedem Wettrennen zählen wir die Läufer an der Startlinie.

Dieser Balken sagt: Wie viele Läufer sind es im Durchschnitt? In Deutschland etwa sechs. In Bulgarien knapp drei.

Mehr Läufer heißt: Die Stadt kann sich das beste Angebot aussuchen.

5,9

Angebote je Verfahren in Deutschland im Schnitt — der höchste Wert im Vergleich.

DE5,9
FR5,4
IT5,1
DK4,6
LV4,6
FI4,6
SE4,6
IE4,2
MT4,0
LU4,0
ES3,9
RO3,9

Arithmetisches Mittel der gemeldeten Angebotszahl je Verfahren.

Befund 3 · Wer kauft im Ausland

Frage: Welche Länder vergeben an Unternehmen, die woanders sitzen?

Einfach erklärt

Wenn eine Stadt in Irland etwas kauft, gewinnt oft eine Firma aus einem anderen Land — fast jedes vierte Mal.

In Deutschland fast nie: nur bei etwa zwei von hundert Aufträgen kommt der Gewinner von außerhalb.

Kleine Länder kaufen öfter beim Nachbarn ein, weil sie selbst nicht alles haben. Das ist wie bei einem kleinen Dorf, das zum Einkaufen in die nächste Stadt fährt.

Anteil der Verfahren, bei denen mindestens ein Zuschlag an ein Unternehmen außerhalb des Auftraggeberlandes ging.

LU31,5 %
IE20,1 %
BE16,1 %
DK13,9 %
AT13,5 %
CY11,2 %
MT9,0 %
EE8,6 %
SK6,6 %
FI6,5 %
SI6,1 %
SE4,8 %

Sitzland des Zuschlagsempfängers laut Bekanntmachung, nicht wirtschaftlicher Eigentümer. Eine deutsche Tochter eines französischen Konzerns zählt als deutsch.

Befund 4 · Was unterhalb der EU-Schwelle passiert

Frage: Wie viel öffentlicher Einkauf passiert unterhalb der EU-Schwelle — und wo sehen wir ihn?

Einfach erklärt

Es gibt eine Grenze: Wenn ein Auftrag richtig groß ist, muss die Stadt ihn in ganz Europa bekannt machen. Wenn er kleiner ist, reicht es, ihn zu Hause zu sagen.

Diese kleineren Aufträge sieht sonst fast niemand von außen. Wir sammeln sie trotzdem — zwölf Millionen Stück.

Der Balken zeigt nur, wie viele wir je Land gefunden haben. Er sagt nicht, wer besser oder schlechter ist. Und bei Deutschland fehlt noch ein großer Stapel, den wir noch nicht sortiert haben.

13.221.089

unterschwellige Bekanntmachungen aus nationalen Portalen — Vergaben, die nie im EU-Amtsblatt erscheinen und in keiner TED-Auswertung vorkommen.

ES3.398.198
RO2.670.552
IT2.110.497
PT1.672.976
GR955.670
FR857.003
PL763.711
DE363.121
HU107.096
BE89.139
BG64.382
IE56.069

Nur Mengen. Bieterquoten sind hier zwischen Ländern nicht vergleichbar: was in Spanien ein contrato menor ist, ist in Deutschland eine Direktvergabe mit anderer Schwelle und anderer Veröffentlichungspflicht.

Beobachtung · Vergaberecht im Bundestag

Was parlamentarisch zum Thema Vergabe läuft. Als Fundstelle, nicht als Analyse.

Keine Korrelation behauptet. Die naheliegende These — mehr parlamentarische Aktivität zu einem Thema, mehr Ausschreibungen 6 bis 18 Monate später — ist mit dem vorliegenden Bestand (184 Vorgänge) nicht prüfbar. Wir zeigen die Vorgänge, nicht eine Kurve, die wir nicht belegen können.